Sonntag, 14. September 2008

Abschied

am 24.08. erreichte uns, bei meinem Sohn Zuhause, die Nachricht das Norbert am 22.08. auf der kroatischen Insel Rab "wahrscheinlich!" bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist.

Wir konnten und wollten es nicht glauben. Auch die endlosen Telefonate mit Polizei und Behörden, brachten uns keine Gewissheit.

Jerome und Sabine fuhren zu uns nach Hause um Telefonnummern aus Kroatien zu suchen. Ich währenddessen, ging mein Handy durch und telefonierte mit Freunden, die entweder auf der Insel sind oder waren, aber nichts, keine Informationen.
Dann rief ich meine slowenische Freundin Marijana an und erzählte ihr die haarsträubende Geschichte, mit der Bitte - dort doch einmal nachzufragen, da ich selbst nichts erreichte.
In der Zwischenzeit kamen Sabine und Jerome zurück und ihre Gesichter verhiessen nichts Gutes.
Sie hatten Zuhause mit XXX, der den Unfall bei der deutschen Polizei gemeldet hatte, gesprochen. Es war ein seltsames Gespräch, sagten sie und mit "mir" wollte er überhaupt nicht sprechen. XXX steuerte das Boot als Norbert starb. Jedenfalls waren wir immer noch nicht klar, was dort eigentlich passiert ist und wie. Auch das Gespräch, das ich dann mit XXX führte brachte keine Klarheit, sondern nur noch mehr Verwirrung.
Nach einer Stunde kam dann auch die niederschmetternde Antwort von Marijana....

Ja, es stimmt, Norbert ist tödlich verunglückt.

Wir waren wie in Trance, und beschlossen am nächsten Tag, nach Rab zu reisen.
Am Abend googleten wir noch nach Datum und Ort... und fanden einiges im Internet über den Unfall. Auch, das Norbert nicht allein auf unserem Boot war. Es war ganz furchtbar, die Presse berichtete verschiedene Versionen vom Hergang, aber Fakt war, er kam irgendwie in die Schiffsschraube.....

Es war noch vieles vorher zu regeln, packen usw.
Selbstverständlich fiel es gerade an diesem Tag der Telekom ein, das wir dort den Vertrag gekündigt haben und 1+1 ab sofort die Leitungen übernahm, also erstmal kein telefon und auch nicht die Zeit, es einzustellen.
Das hiess: alle Telefonate über Handy, kroatische Botschaft, Polizei, Kripo Zagreb, Arbeitgeber, Freunde und Verwandte Norberts uvm.
Aber endlich und ziemlich erledigt, wie unter Schock stehend, schafften wir es am Montagnachmittag Richtung Kroatien zu fahren.... um Norbert nach Hause zu holen

Sabine, Jerome und Sabrina und die kleinen Alessa.
Wir fünf in unserem kleinen Wohnmobil...

In der Zwischenzeit hat war meine Freundin Marijana mehr als tätig und teilte uns mit, das Norbert schon in die Pathologie Rijeka gebracht wurde... und das man ihn dort identifizieren müsse.

Wir fuhren abwechselnd, ohne Pause (soweit es möglich ist, mit einem fast einjährigen Kind an Bord) und kamen am Dienstag Nachmittag in Rijeka an.
Dort wurden wir schon von Marijana und Milorad erwartet, die beiden hatten schon alles organisiert. Nur leider war es für die Pathologie schon zu spät, dort konnte man nur vormittags hin.
Wir fuhren im Konvoi zu dem Campingplatz, den unsere kroatischen Freunde für uns ausgesucht hatten und versuchten ein wenig Ruhe zu finden.. was nicht ganz leicht war, denn wir wussten, der kommende Tag wird einer der Schwersten sein.
Jerome und ich hatten schon bei Beginn der Fahrt gesagt, wir werden auf Rab alles verkaufen, verriegeln, verrammeln, was weiss ich..... und nie wieder dort hinfahren können.

Abends standen wir in Rijeka am Meer, dieses wundervolle Meer, das wir alle so liebten. Wo wir seit 22 Jahren immer wieder auftankten. Jerome ist hier fast aufgewachsen und verbrachte jedes Jahr seiner Kindheit/Jugend 3 Monate hier. Erinnerungen kamen hoch... unendlich viel Trauer um diesen schwierigen und doch ganz wundervollen Menschen.
Aber uns fielen auch die schönen Zeiten ein, die lustigen Dinge, die wir dort erlebten. Trotz des Schmerzes mussten wir oft Lachen.

In diesem Moment beschlossen wir, wir werden weiterhin wiederkommen. Wir können nicht all das niedertrampeln, was Norbert 20 Jahre lang für uns aufbaute. Das wäre nicht in seinem Sinn.
Er wollte immer, das wir alle dort sind... und diesen Wunsch erfüllen wir ihm. Es ging uns mit dieser Entscheidung merklich besser.

In dieser Zeit kristallisierte sich etwas ganz wunderbares heraus. Das kostbarste Erbe überhaupt. Eine ganz wunderbare Familie... Sabine, Jerome, Sabrina, Alessa und ich. Dieser Zusammenhalt besteht immer noch und ich denke, das wird auch so bleiben.
So gestärkt gingen wir in den nächsten Tag.

Rijeka Pathologie:

Milorad holte uns am nächsten Tag früh ab, wir fuhren mit 2 PKW´s durch das Gewirr von Rijeka, durch das wir mit dem Womo kaum gekommen wären.

Dort angekommen mussten wir uns erstmal aufs Warten beschränken.
Endlich kam die Pathologin schaute mich an und wandte sich dann auf kroatisch an Milorad.
Ich verstehe eigentlich recht gut diese Sprache, aber in dieser Zeit schütze mich mein Hirn wohlweislich und ich bekam nicht wirklich viel mit, von dem was sie sagte.
Milorad übersetze es so:
"Hier in Kroatien ist eine Sitte, die Toten vollkommen anzuziehen und zu bedecken!"
Das hiess, wir mussten Kleidung kaufen.
Wir haben in unserer Trauer nicht begriffen, das es eigentlich darum ging, die grausamen Verletzungen zu bedecken. Das war auch gut so!
Milorad fuhr mit Jerome und Sabrina in die Stadt um Kleidung zu kaufen und Marijana bleib bei Sabine und mir. Wir suchten uns ein Cafe´in der Nähe der Klinik.
Nach einer halben Stunde kamen die Drei zurück und Milorad brachte die Kleidung hoch und sagte uns, das wir in ca. 20 Minuten Abschied nehmen können.

Ich vereinbarte mit meinen Kindern, das ich allein gehe, ich wollte das mein Sohn seinen Vater so in Erinnerung behält, wie er war. Mir war klar, das sein Anblick sehr traumatisierend sein konnte.
Auch Sabine bat ich, sich dies nicht anzutun, aber sie wollte mich nicht allein lassen in dieser Stunde.

Danke dafür.

So gingen wir also gemeinsam um von Norbert Abschied zu nehmen, einmal noch seine Hand zu streicheln und ihm zu versprechen, ihn nach Haus zu holen......
Auch Jerome und Sabrina entschlossen sich, ihn noch einmal zu sehen... und ich stellte mich so hin, das sie nicht sein Gesicht sehen konnten.

Dann fuhren wir weiter, mit unserem Womo und Marijana mit ihren Pkw vorweg............nach Rab.